KÖLNER TALENT // Philip Emde – Künstler


Text & Interview: Nicole Görn   ♦   Fotos: Kai Stefes ◊ www.kaistefes.de

Philip Emde

Hinter Sonnenschirmen und der Zeit nach der Tagesschau.

Philip Emde hat in Hamburg an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Illustrationsdesign studiert. Sein 20:15 Zyklus war zuletzt im Rahmen der Ausstellung „Hug me, Heimlich“ in Köln-Ehrenfeld zu sehen. Voraussichtlich stellt der Künstler ab Oktober 2010 in der Galerie Mühlhaupt in Köln-Deutz aus, sowie im Dezember in der Ninasagt Galerie in Düsseldorf.

Es ist ein sonniger Nachmittag und in der Kölner Neustadt treffen wir auf ihn, Philip Emde. Der erste Eindruck – etwas schüchtern, geht bald verloren und so kommen wir schnell vom Hölzchen auf’s Stöckchen zu sprechen und erfahren mehr über den Künstler, der bereits seit mehreren Jahren in Köln lebt.

Philip Emde ist Illustrator – seine Zeichnungen sind figurativ und gekennzeichnet von einem schnellen und intensiven Strich. Es sind flüchtige Blicke, Bildsequenzen und Momentaufnahmen alltäglicher Situationen, die er in seinen Skizzenbüchern festhält. Erst später belichtet er seine Zeichnungen und begibt sich damit in den Negativraum der Radierung. Für die Umsetzung seiner Zeichnungen in Radierungen und Siebdrucke fährt er immer wieder nach Neustadt an der Weinstrasse, wo sich sein Atelier befindet und „Oma Emde“ wohnt, deren größter Fan er selbst ist.

Philip Emde beschreibt einige seiner Arbeiten als düster, leicht depressiv. Dennoch sind auch diese Arbeiten auf ihre ganz eigene Art leise und sanft. Sie hinterlassen einen nachdenklichen Eindruck, sind unaufdringlich und ehrlich wie der Künstler dahinter.

Bilder kleiner als Postkarten, die sich wie eine Ziehharmonika auseinanderfalten lassen, bilden den 20:15 Zyklus des Künstlers. Unterschiedlichste Filmszenen sind hier abgebildet und nebeneinander aufgereiht bedecken sie eine ganze Wand.

Interview

Worum geht es in deinem 20:15 Zyklus?
Es ist die Zeit nach der Tagesschau, die Leute sitzen vor ihren Fernsehern. Niemand geht mehr vor die Tür, Bedürfnisse und Wünsche werden fremd gesteuert. Es gibt keine selbst erlebten Abenteuer mehr.

Ziehen wir uns immer mehr in virtuelle Welten zurück?
Es liegt mir fern über andere zu urteilen. Ich will nicht die Welt verändern, sie retten oder den Zeigefinger erheben. Meine Bilder sollen einen Anstoß zum Nachdenken geben, den Blick auf sich selbst zu richten.

Wie würdest du selbst deine Arbeiten beschreiben?
Meine Arbeiten sind spontan und sollen Bewegung ausdrücken. Wichtig ist mir vor allem das Arbeiten mit Fehlern, meine Abbildungen sind keine 1:1 Umsetzungen. Ich setze Erlebtes für den Betrachter in Szene. Während des Studiums habe ich erst einmal lernen müssen den Kopf auszuschalten, wenn ich zeichne, mich frei zu machen von Normen und Wertevorstellungen. Fehler können durchaus etwas Positives darstellen. So habe ich auch gelernt, meine eigene Sprache zu entwickeln. Es sind die Dinge die in einem ruhen und schließlich zum Ausdruck kommen.

Du bildest Erlebtes aus deinem Blickwinkel ab, sind deine Arbeiten expressionistisch?
Ja, könnte man sagen. Es sind die Ebenen hinter dem rein Plakativen, auf die ich meine Aufmerksamkeit richte. Die Sonnenschirm-Problematik beispielsweise stellt den Rückzug kleiner Gruppen dar. Man könnte das ganze als eine Art Big Brother bezeichnen, ich schaue den anderen beim Leben zu.

Wie gestaltet sich das Leben von Philip Emde?
Ich bin ein Nomade, immer unterwegs, deswegen sind meine Arbeiten auch größtenteils in Büchern zu finden, die ich auf meinen Reisen mit Beobachtungen und Ideen fülle. Mein 20:15 Zyklus beispielsweise passt in einen Schuhkarton. Bei einer Ausstellung in der Vergangenheit war die damals zuständige Galeristin sehr überrascht als ich mit einem Schuhkarton anreiste, in dem sich mein 20:15 Zyklus befindet. Große Leinwände eignen sich einfach nicht für das Nomadenleben. Meine Bücher sind auch eine Art Tagebuch, in dem ich auch ganz persönliche Dinge festhalte.

Trotz deiner Ruhelosigkeit treibt es dich immer wieder nach Köln. Wie lässt sich das erklären?
Ich mag die ungezwungene, offene Art der Menschen. Ich komme aus einer Kleinstadt wo die Bevölkerung zu 90 Prozent grau ist. Köln ist jung, lebendig und unkonventionell, dass gefällt mir.

Wenn du die Möglichkeit hättest in Köln etwas zu ändern, was wäre das?
Ich würde mir wünschen, dass leer stehende Räume für die Zwischennutzung freigegeben werden. Häufig stehen Häuser über lange Zeit leer, hier könnte man jungen Künstlern die Möglichkeit geben ihre Werke auszustellen, sich zu treffen und auszutauschen. Etwa wie es in Hamburg im Gängeviertel gemacht wird. Meine Arbeitsweise ist eher unkonzeptionell, davon würde ich mir in Köln auch mehr wünschen.

Hat Philip Emde einen Traum für die Zukunft?
Hm… ich habe da keine konkrete Vorstellung von der Zukunft. Ich finde Zufriedenheit erstrebenswert. Alt werden und zufrieden sein – das wär’s.

Wir danken Philip Emde für das spannende und interessante Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg.

Arbeiten von ihm kann man sich hier ansehen: http://www.flickr.com/photos/philipemde

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Fotos: © 2010, by Kai Stefes für GLEICH www.kaistefes.de

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Eine Antwort zu “KÖLNER TALENT // Philip Emde – Künstler

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