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KÖLNER TALENT // Pttrns


Text & Interview: Nicole Görn   ♦   Fotos: Kai Stefes ◊ www.kaistefes.de

PTTRNS

Einer für Alle und Alle für Einen“ – so oder so ähnlich lässt sich der Auftritt der Kölner Band PTTRNS beschreiben.

Es ist Samstag und wir sind im Dortmunder Westfalenpark mit Benjamin, Daniel, Patrick und Hendrik verabredet. Erst vor Kurzem hatten sie hier ihren Auftritt auf dem Juicy Beats Festival. Zusammengefunden haben Benjamin, Patrick und Daniel sich vor circa vier Jahren auf verschiedenen Konzertveranstaltungen, seitdem stehen sie gemeinsam auf der Bühne. Hendrik, ebenfalls Bandmitglied, hat schon früher auf Konzerten von PTTRNS mitgetrommelt und seit einem halben Jahr auch seinen festen Platz in der Band.

Wer die Band kennt, weiß dass auch das Publikum gefordert wird. Interaktivität ist nicht nur auf der Bühne Usus. Die Jungs spielen mehrere Instrumente und tauschen diese auch während ihres Auftritts untereinander aus. Vor dem Konzert werden Rasseln an das Publikum verteilt, so können PTTRNS-Fans nicht nur ihrem Bewegungsdrang freien Lauf lassen, sondern sich auch musikalisch einbringen. Einer für Alle und Alle für Einen… und mit ein bisschen Glück finden auch die verteilten Musikinstrumente später wieder den Weg zurück zu ihren Besitzern.

Die Atmosphäre ist locker und wir sitzen etwas Abseits der Bühne auf dem Rasen, alle sind entspannt und im Hintergrund spielt die Musik der nachfolgenden Band. Seit knapp einem Jahr wohnen Benjamin, Daniel und Patrick des Studiums wegen gemeinsam in einer Kölner WG. Auf die Frage, wie ein WG-Bewohner sein sollte, um bei ihnen einziehen zu dürfen, ist man sich einig: Es sollte möglichst Hendrik sein.

Wir haken nach, was den Jungs bei Anderen wichtig ist und lernen sie dabei selbst kennen…

Was ist euch beim ersten Kennenlernen wichtig bzw. was zeichnet einen Menschen für Euch aus?
Patrick
: Dass der- oder diejenige Begeisterung für eine Sache mitbringt, relativ egal worum es sich dabei handelt. Oft sind es auch Leute, die man bereits lange kennt, bei denen sich so was wie Sympathie erst mit der Zeit entwickelt.

Hendrik: Offenheit ist wichtig!

Daniel: (nachdem ich ihn versehentlich mit falschem Namen angesprochen habe) Sich den Namen des anderen zu merken (lacht).

Benjamin: Menschen sollten eine eigene Meinung vertreten und irgendwie muss die Chemie stimmen.

Wo trifft man euch, wenn ihr in Köln unterwegs seid?
Patrick
: Häufig im Belgischen Viertel und im King Georg zum Beispiel. Wir erkunden Köln immer noch, es gibt hier eine Menge zu entdecken. Was man jedoch nur schwer in Köln findet, ist eine bezahlbare Wohnung
.

Ihr seit alle vier Vegetarier bzw. Veganer, wo geht ihr in Köln Essen?
Daniel
: Hin und wieder sind wir im Trash Chic in Kalk, da gefällt es uns ganz gut.

Wie sieht für euch ein perfekter Tag aus? (Über diese Frage geraten die vier Jungs zunächst einmal ins Grübeln und das erste was Benjamin erwähnt ist schließlich „lange schlafen!“)
Benjamin
: Schlafen können, dann brauche ich viel Kaffee, höre Musik, mache Musik und brauche Bewegung, und bei schönem Wetter bin ich draußen.

Patrick: Ein interessantes Gespräch führen.

Daniel: Ein perfekter Tag ist ein Tag an dem man neue interessante Sachen lernt und sein eigenes Wissen und den Blick auf die Dinge erweitert … und küssen natürlich!

Hendrik: Essen!

Benjamin: Zu einem perfekten Tag gehört dann auch noch ein gutes Glas Wein.

Wie würdet ihr euch selbst beschreiben, was ist charakteristisch für euch?
Benjamin
(über sich): Was mir definitiv fehlt ist ein gutes Zeitmanagement, aber damit kann ich ganz gut leben.

Patrick (zu Benjamin): Dafür bist du musikalisch und hast viele andere Talente.

Hendrik (zu Patrick): Patrick hat ein unglaublich umfangreiches Wissen. Er ist in seiner Art sehr didaktisch, man kann viel von ihm lernen.

Patrick (über sich): Dennoch bin ich eher unorganisiert und habe meinen ganz eigenen Rhythmus, den meisten Menschen fällt es schwer sich da anzupassen.

Hendrik (über sich): Ich lasse mich von Pflichtaufgaben gerne ablenken, bin oft total inkonsequent.

Daniel (über sich): Bei mir ist es so, dass ich alles im Blick haben muss, vielleicht bin ich deswegen so beharrlich und versuche immer alles im Auge zu behalten.

Patrick (zu Daniel): Daniel ist sehr gut organisiert, er kann Notwendigkeiten genau einschätzen. Er hat einen gewissen Weitblick und alles im Griff, ohne dabei zu stressen.


Ein Rätsel bleibt uns der Bandname. Fügt man in die Buchstabenreihe Vokale ein, erschließt sich das englische Wort „patterns“ für Muster. Die Band selbst wehrt allerdings jede Unterstellung, ihr Name hätte etwas mit ihrer Musikstruktur zu tun, ab. Eins darf an der Stelle gesagt werden, PTTRNS folgen gewiss keinem Muster und das ist auch gut so. „Fans können die Buchstabenfolge selbst mit Bedeutung füllen und ihre eigenen Assoziationen einfließen lassen.“

In sonniger Juicy Beats Atmosphäre haben die vier sympathischen Jungs uns einen kleinen Einblick in ihr Leben hinter der Musik gegeben. Wir haben erfahren, dass die vier mehr verbindet als nur die Liebe zur Musik oder zu fleischlosen Essen. Ihre expressive Bühnenpräsenz hebt sich ein wenig ab von dem, was sie dahinter sind: ein wenig nachdenklich und ernst, aber stets humorvoll und aufmerksam. „Gespräche auf gleicher Augenhöhe führen und sich ergänzen, das ist was uns inspiriert.“, sagt Daniel noch. Wir waren begeistert, von der Musik, der Band und dem persönlichen Gespräch und bedanken uns für einen schönen Nachmittag.

Wer mit den PTTRNS gerne live musizieren möchte, kann dies an den folgenden Terminen tun:
22.10.2010 – Ex-Haus [Trier]
22.10.2010 – Aftershow DJ-Set @ Flucht nach vorn [Trier]
23.10.2010 – White Rabbit [Freiburg]
24.10.2010 – Jugendhaus West [Stuttgart]
31.10.2010 – Zeitgeist Party – Studio 672 [Köln]

Aktuelle CD: Science Piñata
www.ursaminormusik.de/pttrns

www.myspace.com/pttrns


Fotos: © 2010, by Kai Stefes für GLEICH www.kaistefes.de

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GLEICH HIN // 14.10. Konzert CATs N FRUITS – Cafe Rosenzeit

Katy Sedna & Herr Weber

CATs N FRUITS
– UNPLUGGED –

DONNERSTAG, 14. Oktober 2010, 19 Uhr

Katy Sedna singt zur Gitarre portugiesische Fados, argentinische Tangos, westafrikanische Romanzen und indische Tragik, sowie eigene Stücke im Singer-Songwriter Stil, begleitet durch den Geiger Herr Weber. Ein akustischer Abend zur Saudade – Sehnsucht …

 

Café Rosenzeit
Tel. 0221/16839317
www.cafe-rosenzeit.de

Eintritt: Spenden erhofft

 

Weitere Infos: myspace.com/catsnfruits

KONSUM // JETZT Uhr

GLEICH liebt das JETZT. Die passende Uhr für den Moment gibt es hier.

KÖLNER TALENT // Philip Emde – Künstler


Text & Interview: Nicole Görn   ♦   Fotos: Kai Stefes ◊ www.kaistefes.de

Philip Emde

Hinter Sonnenschirmen und der Zeit nach der Tagesschau.

Philip Emde hat in Hamburg an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Illustrationsdesign studiert. Sein 20:15 Zyklus war zuletzt im Rahmen der Ausstellung „Hug me, Heimlich“ in Köln-Ehrenfeld zu sehen. Voraussichtlich stellt der Künstler ab Oktober 2010 in der Galerie Mühlhaupt in Köln-Deutz aus, sowie im Dezember in der Ninasagt Galerie in Düsseldorf.

Es ist ein sonniger Nachmittag und in der Kölner Neustadt treffen wir auf ihn, Philip Emde. Der erste Eindruck – etwas schüchtern, geht bald verloren und so kommen wir schnell vom Hölzchen auf’s Stöckchen zu sprechen und erfahren mehr über den Künstler, der bereits seit mehreren Jahren in Köln lebt.

Philip Emde ist Illustrator – seine Zeichnungen sind figurativ und gekennzeichnet von einem schnellen und intensiven Strich. Es sind flüchtige Blicke, Bildsequenzen und Momentaufnahmen alltäglicher Situationen, die er in seinen Skizzenbüchern festhält. Erst später belichtet er seine Zeichnungen und begibt sich damit in den Negativraum der Radierung. Für die Umsetzung seiner Zeichnungen in Radierungen und Siebdrucke fährt er immer wieder nach Neustadt an der Weinstrasse, wo sich sein Atelier befindet und „Oma Emde“ wohnt, deren größter Fan er selbst ist.

Philip Emde beschreibt einige seiner Arbeiten als düster, leicht depressiv. Dennoch sind auch diese Arbeiten auf ihre ganz eigene Art leise und sanft. Sie hinterlassen einen nachdenklichen Eindruck, sind unaufdringlich und ehrlich wie der Künstler dahinter.

Bilder kleiner als Postkarten, die sich wie eine Ziehharmonika auseinanderfalten lassen, bilden den 20:15 Zyklus des Künstlers. Unterschiedlichste Filmszenen sind hier abgebildet und nebeneinander aufgereiht bedecken sie eine ganze Wand.

Interview

Worum geht es in deinem 20:15 Zyklus?
Es ist die Zeit nach der Tagesschau, die Leute sitzen vor ihren Fernsehern. Niemand geht mehr vor die Tür, Bedürfnisse und Wünsche werden fremd gesteuert. Es gibt keine selbst erlebten Abenteuer mehr.

Ziehen wir uns immer mehr in virtuelle Welten zurück?
Es liegt mir fern über andere zu urteilen. Ich will nicht die Welt verändern, sie retten oder den Zeigefinger erheben. Meine Bilder sollen einen Anstoß zum Nachdenken geben, den Blick auf sich selbst zu richten.

Wie würdest du selbst deine Arbeiten beschreiben?
Meine Arbeiten sind spontan und sollen Bewegung ausdrücken. Wichtig ist mir vor allem das Arbeiten mit Fehlern, meine Abbildungen sind keine 1:1 Umsetzungen. Ich setze Erlebtes für den Betrachter in Szene. Während des Studiums habe ich erst einmal lernen müssen den Kopf auszuschalten, wenn ich zeichne, mich frei zu machen von Normen und Wertevorstellungen. Fehler können durchaus etwas Positives darstellen. So habe ich auch gelernt, meine eigene Sprache zu entwickeln. Es sind die Dinge die in einem ruhen und schließlich zum Ausdruck kommen.

Du bildest Erlebtes aus deinem Blickwinkel ab, sind deine Arbeiten expressionistisch?
Ja, könnte man sagen. Es sind die Ebenen hinter dem rein Plakativen, auf die ich meine Aufmerksamkeit richte. Die Sonnenschirm-Problematik beispielsweise stellt den Rückzug kleiner Gruppen dar. Man könnte das ganze als eine Art Big Brother bezeichnen, ich schaue den anderen beim Leben zu.

Wie gestaltet sich das Leben von Philip Emde?
Ich bin ein Nomade, immer unterwegs, deswegen sind meine Arbeiten auch größtenteils in Büchern zu finden, die ich auf meinen Reisen mit Beobachtungen und Ideen fülle. Mein 20:15 Zyklus beispielsweise passt in einen Schuhkarton. Bei einer Ausstellung in der Vergangenheit war die damals zuständige Galeristin sehr überrascht als ich mit einem Schuhkarton anreiste, in dem sich mein 20:15 Zyklus befindet. Große Leinwände eignen sich einfach nicht für das Nomadenleben. Meine Bücher sind auch eine Art Tagebuch, in dem ich auch ganz persönliche Dinge festhalte.

Trotz deiner Ruhelosigkeit treibt es dich immer wieder nach Köln. Wie lässt sich das erklären?
Ich mag die ungezwungene, offene Art der Menschen. Ich komme aus einer Kleinstadt wo die Bevölkerung zu 90 Prozent grau ist. Köln ist jung, lebendig und unkonventionell, dass gefällt mir.

Wenn du die Möglichkeit hättest in Köln etwas zu ändern, was wäre das?
Ich würde mir wünschen, dass leer stehende Räume für die Zwischennutzung freigegeben werden. Häufig stehen Häuser über lange Zeit leer, hier könnte man jungen Künstlern die Möglichkeit geben ihre Werke auszustellen, sich zu treffen und auszutauschen. Etwa wie es in Hamburg im Gängeviertel gemacht wird. Meine Arbeitsweise ist eher unkonzeptionell, davon würde ich mir in Köln auch mehr wünschen.

Hat Philip Emde einen Traum für die Zukunft?
Hm… ich habe da keine konkrete Vorstellung von der Zukunft. Ich finde Zufriedenheit erstrebenswert. Alt werden und zufrieden sein – das wär’s.

Wir danken Philip Emde für das spannende und interessante Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg.

Arbeiten von ihm kann man sich hier ansehen: http://www.flickr.com/photos/philipemde

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Fotos: © 2010, by Kai Stefes für GLEICH www.kaistefes.de

EN VOGUE³ // Herr von Eden

Herr von Eden meets Nicole de Cruppé

Wenn Kollektionen wie die von Herr von Eden auf den Geschmack von Nicole de Cruppé treffen, kann man eigentlich nur davon ausgehen, dass sich das Endergebnis sehen lassen kann. Nicole arbeitet seit zwei Jahren als freie Stylistin und Personal Shopper im Raum Köln. Nicole experimentiert. Nicole verzaubert.

Den Dandy einmal anders darzustellen, ist eine Aufgabe für sich, hat er doch so ein klares Bild, das jeder von uns schnell beschreiben kann. Wie sieht der Dandy aus, wenn er alleine ist? Wie sieht sein Gegenüber aus? Er hält eine Fassade, eine Fassade, die ihn zum perfekten Menschen in der Öffentlichkeit macht. Er strahlt und ist ein Beweis für Stilvollkommenheit. In der aktuellen Kollektion von Herr von Eden sehen wir den Dandy auf eine intime Weise, wie er  in der heutigen Zeit gegen den Strom der Destroyed-Clothes kämpft. Er verkörpert den männlichen Chic, der gerade jetzt gebraucht wird, wo doch so viele Designer zur Zeit auf Kollektionen setzen, in denen sie die Geschlechterrollen vertauschen und dekonstrierte Kleidungsstücke herstellen. Im aktuellen Geschehen bleibt er auf dem Boden der Tatsachen und versucht genau diese ästhetisch in Form seines Outfits zu ästhetisieren.

HERR VON EDEN
ANTWERPENER STR. 6-12, BELGISCHES VIERTEL
TELEFON +49 (0)221 589 21 49
MO – FR 11 – 20 UHR + SA 10 – 18 UHR

FOTOS: NATALIE BOTHUR
STYLING: NICOLE DE CRUPPÈ
MODELS: NICOLE, THOMAS, JAN

Fotos: © 2010, by Natalie Bothur  für GLEICH


KÖLNER TALENT // Kerstin Gerhards – Künstlerin


Text & Interview: Nicole Görn   ♦   Fotos: Kai Stefes ◊ www.kaistefes.de

Kerstin Gerhards

Schwarz und Weiß: Typisch männlich, typisch weiblich?

„Eine tolle Atmosphäre und eine phantastische Location.“ So beschreibt Kerstin Gerhards das Projekt „Hug me, Heimlich“, das im April 2010 in den Rheinlandhallen in Köln Ehrenfeld stattgefunden hat und in dessen Rahmen wir auf sie aufmerksam wurden. „Mir hat die Teilnahme viel Freude bereitet und ich konnte viele interessante Kontakte knüpfen.“

Eine hübsche und zarte Frau öffnet uns an einem sonnigen Maitag die Tür eines Kölner Altbaus. Schon der Aufstieg über das Treppenhaus wirkt ein wenig geheimnisvoll, verzaubernd – und verzaubert hat auch sie uns, Kerstin Gerhards.

Sie zog von Bonn nach Köln, des Studiums wegen. Ihren Abschluss zur Kommunikationsdesignerin macht sie 2008 an der ecosign Akademie für Gestaltung – mit Ehrenurkunde. Auch verschiedene Preise hat sie bereits erhalten, doch darüber redet die bescheidene Künstlerin nicht. Sie arbeitet als freie Grafikerin und doziert heute an der ecosign Akademie in Köln.

Kerstin Gerhards hat für das Jugendzentrum Anyway in Köln gearbeitet, das die Interessen von jungen Lesben und Schwulen vertritt und Fragen der Geschlechternorm thematisiert. „Was ist typisch männlich, was typisch weiblich? Was macht mein Körper mit mir?“

„Ich mag die Arbeit mit jungen Menschen besonders gern, ich schätze ihre Offenheit. Es kommt vor, dass einer der Jugendlichen sehr deutlich mitteilt, dass er oder sie nicht neben einem Schwulen oder einer Lesbe sitzen möchten. Das muss man akzeptieren. Wichtig ist es die richtige Frage zu stellen: Warum möchtest du das nicht? Nur so kann sich ein Dialog entwickeln und Aufklärung geleistet werden. Es geht darum Stereotype aufzubrechen, mit Aufklärung Toleranz zu schaffen. Aber auch die Arbeit mit alten Menschen finde ich sehr spannend, sie sind häufig viel toleranter, da sie in ihrem Leben bereits viel Intoleranz erfahren mussten.“

Sicher ist es kein Zufall, dass die Arbeiten von Kerstin Gerhards die Themen Identität und Körperlichkeit in den Fokus stellen. Ihre Arbeit mit den Jugendlichen sowie ihre eigenen Erfahrungen tragen dazu bei. „Corpus Delicti“ ist der Titel ihrer Diplomarbeit in der das Thema Geschlechtlichkeit, von ihr nicht nur filmisch, sondern auch illustrativ umgesetzt wurde.

Interview

Kerstin, wie würdest du deine Arbeiten selbst beschreiben?
Eigentlich bin ich ja Grafikerin, meine Arbeiten sind daher sehr konzeptionell. In Bezug auf das Thema meiner Diplomarbeit war mir besonders wichtig darzustellen wie sich Verletzlichkeit und Stärke ausdrücken lassen – unabhängig vom normativen Geschlechterrollendenken. Daher tragen die beiden Hauptakteure, ein Mann und eine Frau, einen Ganzkörperanzug, der biologische Geschlechtsmerkmale nicht erkennen lässt. Es geht dezidiert um die Frage „Wer bin ich?“

Wie bist du zu deinem heutigen Beruf(ung) gelangt? Gibt es jemanden der dich unterstützt hat, deine Kunst gefördert hat?
Meine Eltern – mein Vater ist studierter Jurist, hat aber immer in seiner Freizeit gezeichnet. Meine Mutter ist gelernte Bauzeichnerin. Beide sind große Vorbilder für mich, da sie sich immer auch für andere einsetzen. Mein Vater ist hierfür in die Politik gegangen, meine Mutter war sehr im Kinderschutzbund engagiert. Beide haben mich nie unter Druck gesetzt eine Entscheidung zu treffen. Mir war zwar klar, dass ich etwas Kreatives, Künstlerisches machen möchte, nur wusste ich nie genau was. Ich habe zwei Semester Philosophie und Politikwissenschaften studiert und in den Vorlesungen immer gezeichnet, da war mir klar was es sein wird und ich wechselte zur ecosign Akademie.

Wo entstehen deine Ideen?
Meistens ist es unter der Dusche.

Du bist in Bonn geboren, was hält dich in Köln?
Auch wenn es sich merkwürdig anhört, ich mag Köln, weil es eine dreckige Stadt ist, sie ist unaufgeräumt. Köln ist einfach liebenswert chaotisch. Die Rheinländer sind sehr offen, das sagt auch mein Kioskmann, der gebürtig aus dem Iran stammt, man kommt schnell rein.

Welche Veränderungen für Köln würdest du dir wünschen?
Einen größeren Austausch zwischen den einzelnen Stadtteilen und unterschiedlichen sozialen Schichten. Ich glaube, dass aus solchen Zusammentreffen viel positive Energie genutzt werden kann.

Abgesehen von deinen Eltern natürlich, gibt es ein berühmtes Vorbild in deinem Leben?
Künstlerisch und auch als Mensch, hat mich die Arbeit von der Tänzerin und Choreografin Pina Bausch stark beeindruckt. Vor allem ihre Arbeit mit Jugendlichen, die über ein gemeinsames Tanzprojekt zueinander finden und Konventionen und kulturelle Differenzen dabei hinter sich lassen. Ich finde ihre Arbeit sehr sensibel und authentisch.

Welches Buch liest Kerstin Gerhards zur Zeit?
Das Parfüm
– es ist bestimmt so was wie eine Standardlektüre und sicher hat es schon jeder gelesen, egal – ich find es toll. Die Detailtreue und die unterschiedlichen Wahrnehmungsformen sowie die Welten die sich daraus ergeben berühren mich sehr.

Wir danken Kerstin Gerhards für das offene und äußerst sympathische Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg.

Arbeiten von Kerstin Gerhards sind auf ihrer Homepage hinterlegt: www.zackpuffpeng.de

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Fotos: © 2010, by Kai Stefes für GLEICH www.kaistefes.de

KRITISCHE WORTE // Näd Mika – FCK BP

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Näd  Mika – FCK BP

Lyrics:

Fck BP
your ignorance is killing me

Black oily water
ready to drink
Black oily water
is in your lungs
brushing your teeth
Black oily water
swallow it deep

Black oily water
deep in the sea
causes desease
is on your tongue
swallow it deep
Black oily water
Poison for free

Website: www.nadmika.com
Myspace: www.myspace.com/nadmika