Philipp M. Hönig über seinen Film „Tauwetter“

Banner_KoelnerTalentText: Nina Lorenz,  Foto: Lars Richrath/VAD

Feel free to film

Vom Festhalten an Träumen inmitten der reellen Filmindustrie

hoenig-INTERVIEWWie kommt ein Autodidakt dazu, einen kompletten Film zu drehen? „Ich wollte cutten und dazu brauch ich Material. Also brauche ich vorher eine Idee, ein Drehbuch um Material zu produzieren.“ Philip M. Hönig zäumte das Pferd von hinten auf und hielt sich wacker im Sattel. Nach über drei Jahren Produktion befindet sich „Tauwetter“ nun auf der Zielgeraden. Ohne Budget, ohne Subvention und ohne professionelle Hilfe. Wirtschaftkrise mal anders…

Der Film: Zwei Ganoven, die aussteigen wollen. Nichts Neues, aber anders. Besonders weil der Film wie Phoenix aus der Asche stieg. Eine Geschichte, über zwei die emotional erforen sind und nun auftauen. Ein Film über den ständigen Zwiespalt im Leben: Das will ich tun und das muss ich tun. Eines wird klar: Verbrecher zu sein lohnt sich, man muss nur sein Leben dafür geben und zwar bevor man stirbt. Ein Gangsterfilm, der aber keinerlei Klischees bedient. Ein leiser Film, der von seinen Bildern lebt. So wie Philip M. Hönig, der von sich selber sagt: „Meine Sprache geht über das Visuelle!“ Ironischerweise hat der 29-jährige nur einen ganz kleinen Teil seines Filmes selber geschnitten, zu groß war die Organisation des Filmprojektes an dem letztendlich über 100 Leute beteiligt waren: „Man unterschätzt die Logistik.“

Was aber bringt soviele Menschen dazu, unentgeltlich drei Jahre an einem Filmprojekt mitzuarbeiten, dessen Headline „Gangsterfilm“ nicht gerade nach einem neuen Genre schreit? „Das was den Film ausmacht, macht auch die Leute aus, die daran gearbeitet haben. Alle müssen am selben Strang ziehen. Einen Traum, den es zu realisieren gilt!“

Heißt das, andere Menschen haben keine Träume?
Die Protagonisten in dem Film handeln konträr zu den Menschen in der realen Welt. Umso älter wir werden, desto mehr funktionieren wir, umso weniger Träume wagen wir noch zu haben.Mit dem Alltag sterben wir. Die in dem Film machen es genau andersrum, aufeinmal haben sie Träume, die es zu erreichen gilt.“

Das hört sich aber so an, als ob jeder, der einen Film drehen möchte, das auch tun kann. Einfach so.
Ein berühmter Regisseur hat einmal gesagt: „Wenn Du einen Film drehen möchtest, dann tu es heute, tu es morgen. Aber tu es!“Ich finde genau das ist der Ansatz. In der Szene gibt es viele, die reden. Wenige die handeln, der Standardspruch lautet: Mir fehlen halt die nötigen Mittel dazu“.

Aber umsonst funktioniert es halt nicht, oder?
Natürlich nicht. Vieles lief einfach über Tauschgeschäfte: Ich schneide dir kurz einen Drei-Minuter für deine Homepage, dafür bekomm ich dein Licht, oder eine Straßensperre oder, oder, oder.

Und was hat die Kölner Musikhochschule als Gegenleistung bekommen? Schließlich haben sie über zwei Tage lang mit einem 70-köpfigen Orchester die Filmmusik eingespielt.
Gar nichts! Am Anfang des Films war ich noch skeptisch, wenn Leute mir „einfach so” etwas gegeben haben. Ich glaube, dass ist so eine deutsche Mentalität. So war das auch mit der Musikhochschule. Die hatten einfach Bock drauf, haben die Philosophie die dahinter steckt, verstanden.

Glaubst Du das das die neue Art des Filme machens ist? Wie sieht das Netzwerk in der deutschen Filmszene aus?
Ich glaube, so etwas wie „Tauwetter“ macht man nur einmal in seinem Leben. Die deutsche Filmförderung war mir zu anstrengend. Ich denke, die nehmen durch ihre ganze Bürokratie den Künstlern die kreative Freiheit. Das ist schade. Tja, und andere Filmschaffende… man kennt sich halt. Aber es fehlt tatsächlich ein Netzwerk, eine Plattform, weil alle irgendwie für sich alleine im dunklen Kämmerlein herumdenken und werkeln. Das ist schade.

Der Film: www.tauwetter-film.de
Die Musik zum Film: www.tauwetter.jenm.de

stripes

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2 Antworten zu “Philipp M. Hönig über seinen Film „Tauwetter“

  1. Hi Phil,
    also mir fallen direkt spontan drei Netzwerke ein:
    hackermovies, crew-united, pucksbar, ….

  2. schoenes interview- ehrlich und bescheiden…wie immer;)

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