How to present yourself…

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von Sara Mclear & David vom LIKE Blog

sara&david

… in the internet 2009

Stell‘ dir vor du bekommst einen „friend request“ auf myspace. Mit Entsetzen stellst du fest, er ist von deinem Dad! Er hat jetzt nämlich auch mitbekommen, dass Myspace das Netzwerk der modernen Jugendkultur ist und da er sich selbst noch nicht zum alten Eisen zählt, ist er natürlich auch mit dabei. Du erfährst ein paar private Details von ihm, die du nie wissen wolltest, aber für den Moment überwiegt noch die Freude, dass er noch nicht die technische Umsetzung eines default pics errungen hat.

Allerdings siehst du schlagartig dein aktuelles Foto auch ein wenig anders: Es zeigt dich auf irgendeiner After Hour mit deiner besten Freundin. Ihr macht mit euren Fingern das Victory-Zeichen, was in diesem Kontext –  mit dazwischen durchgestreckter Zunge – ein wenig aus seinem ursprünglichen Zusammenhang gerissen wird. Du hast gar nicht lange drüber nachgedacht, dass es eventuell etwas billig aussehen würde, als du selbst die „set as default“ Taste gedrückt hast, denn dein altes Foto hatte mit 3 Wochen Laufzeit den Zenit schon lange überschritten. Außerdem fandet Ihr euch beide so sexy schlank auf dem Foto, weil man durch die After Hour typische Dehydration seit Ewigkeiten in deinem Gesicht wieder einen Hauch von Wangenknochen notieren konnte. Kurzum: Bei näherem Hinsehen findest du dein wasted-rockiges Foto ganz schön peinlich. Ein guter Zeitpunkt um mal die Strategie deines virtuell-viralen Selbstmarketings im Internet zu überdenken.

Die unergründlichen Abgründe des Internets wurden vielen von uns viel zu spät bewusst. Aber spätestens jetzt, da wirklich jeder seinem doch so geschätzten Netzwerk von Freunden und Freundesfreunden alle fünf Minuten twittert, welchen Brotbelag sein Toast gerade hat oder das My Super Sweet 17 (Name vom Autoren geändert) gerade: yeahhh … @ chillen mit schatz =) *freu* auf Unwetter xD verspürt, könnte jedem mit normal-gesundem Menschenverstand auffallen, dass es im Zeitalter der digitalen Datenflut nur eine Möglichkeit gibt seriös zu bleiben:  Reduktion.

Ein Großteil der Daten, die uns täglich bombardierensind in erster Linie nicht überflüssig, sondern uninteressant. Denn, wenn wir uns die Abgründe unserer Psyche mal ungeschönt vor Augen halten, fällt uns nämlich eines doch zuallererst auf: Uns interessiert weniger obMy Super Sweet 17 gerade mit Ihrem Freund auf der Couch chillt, sondern vielmehr mit welcher von ihren besten Freundinnen er gestern auf der Party hemmungslos rumgeknutscht hat und zu welchen Auswirkungen dieser Schmetterlingsschlag im sensiblen Netzwerk der Clique rund um das Leben, welches wir manchmal glauben verpasst zu haben, führen wird.

Eigentlich der gleiche Grund warum zwar jede meiner Freundinnen, die eine In Touch zuhause liegen hat, mir unaufgefordert versichert, dass sie diese natürlich nur zur Entspannung liest. Und wenn ich dann argumentiere, dass wir lediglich marginale 7 % unserer geistigen Leistungsfähigkeit in Anspruch nehmen und unsere Köpfe deswegen gar nicht entspannen müssten, verpufft dieses Argument im Gesprächshall zwischen ihr und einer schnell gefunden Gleichgesinnten über die neue Frisur von Sienna Miller.

Insgesamt kann man also von zwei verschiedenen Typen der Internetuser sprechen. Diejenigen, die kein Problem haben sich offenkundig für diese Art von Gossip zu interessieren und die anderen, die immer noch heimlich bei sich zuhause im stillen Kämmerchen stalken, stöbern und anonyme Kommentare auf Internetblogs hinterlassen. Beide vereint eines: Sie werden täglich mit Frischfleisch versorgt von Menschen, die scheinbar nichts Unangenehmes dabei verspüren ihr intimes Privatleben von Zukunftsplänen über Beziehungsprobleme und finanzielle Sorgen offenkundig im Netz auszuweiden.

Dabei hat jeder Geltungsbedürftige seine eigene Vorgehensweise. Manch einer schreibt jedem seiner Freunde eine „persönliche ellenlange Nachricht und vermittelt damit noch ein Gefühl von persönlicher Betroffenheit. Der andere ist über diesen Punkt schon lange hinaus und veröffentlicht seine persönlichen Hasstiraden über jedes ihm zur Verfügung stehende Medium. Der nächste verschleiert seine weltschmerzliche Trauer in subtilen Doppeldeutigkeiten um dadurch die Komplexität seines doch so missverstandenen Charakters eindrucksvoll zu unterstreichen.

Welchem Typus man prinzipiell auch entspricht – jedem von uns, der das Internet als modernes Kommunikationswunder effizient nutzen möchte, sollte eines bewusst sein: Wir präsentieren uns im Leben 2.0 mit einem „Alias“. Einer „fake identity“, die bestenfalls auf unseren wahren Charakter hinweisen sollte. Wenn man also Nachrichten geschickt bekommt, die mit „Ich beobachte dich manchmal, hab’ mich aber noch nicht getraut dich anzusprechen…“ beginnen, sollte man diesen eher keine weitere Beachtung schenken.

Is this real life? Natürlich nicht. Aber es kann verdammt viel Spaß machen… und hin und wieder kommt auch mal etwas Sinnvolles dabei herum. Wer jedenfalls echte Menschen treffen möchte, kann dies z.B. hier tun.

stripes

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