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Text: Kevin Goonewardena ◊ www.iamtheempire.com
Illustration: Andrea-Victoria Halbroth
Arroganz und Inszenierung
In einem Raum von großer Grundfläche, der sicher ein schickes Loft abgegeben hätte, durch die Art seiner Möblierung aber eher an eine Mischung aus notdürftig hergerichtetem Aufenthaltsraum und Abstellkammer erinnerte, fiel Gaels Blick zu allererst auf einen rothaarigen und einen blonden Mann, die dort ein wenig verkrampft auf einem längs aufgestellten Designersofa saßen, welches hier völlig fehl am Platze war und genau deshalb so gut hier rein passte, und sich jeder für sich einen runterholten, während zu ihren Füßen eine Dalmatinerdame wachte, deren natürliche Eleganz noch durch eine um ihren Hals baumelnde Goldkette verstärkt wurde.
An der Kopfseite des Raumes konnte Gael eine heruntergekommene Spüle mit Kochgelegenheit erkennen, die aber schon seit geraumer Zeit nicht mehr benutzt, vor allem aber nicht mehr gesäubert worden schien. Als Wanddeko dienten Plakate von hier stattgefundenen Veranstaltungen, sowohl älteren, als auch neueren Datums – den abblätternden Putz konnten sie jedoch nicht immer verbergen. Auch der Teppich, der notdürftig einen Teil des Bodens bedeckte, hatte schon bessere Tage gesehen. Bis auf einen kleinen Tisch, auf dem nur die üblichen Dinge wie ein paar unterschiedlich gefüllte Getränkeflaschen, ein Aschenbecher, Zigaretten usw. lagen, waren alle anderen Möbel, vor allem handelte es sich hier bei um Stühle, in einer Ecke des Raumes gestapelt. Gold-Hakan war auch hier unübersehbar der Chef, das erkannte man sofort.
Gael hatte ihn schon unten im Club auf der gerade dort stattfindenen Party gesehen, wo eben jener Gold-Hakan im goldfarbenen Trainingsanzug durch den Laden rannte und Anweisungen gab. Zwar hatte er diesen Trainingsanzug nun gegen das Adamskostüm getauscht, seinem Spitznamen bei Gael persönlich machte er jedoch weiterhin alle Ehre. Während all die anderen, schätzungsweise acht, neun, vielleicht zehn Männer um ihn herum, splitternackt waren, hatte Gold-Hakan sich ein goldenes Cape umgeworfen, welches zwar ausgesprochen hässlich und nur aus billigem Kunststoff war, aber jedem Umherstehenden ohne Umschweife signalisierte wer hier das Sagen hatte. In der Mitte des Backstageraumes im Obergeschoss des Clubs in Kölns ehemaligem Arbeiter- und Industrieviertel Ehrenfeld, hatte sich die Gruppe Männer in einem Kreis um eine auf dem Boden knieende, junge Frau von knabenhafter Statur, aufgebaut.
Gold-Hakans Sack klatschte unentwegt im Rhythmus gegen den Arsch des Mädchens, als er sie, über ihr hängend, von Hinten nahm. Dabei stieß er affenähnliche, anscheinend zur Selbstbeweihräucherung dienende Laute aus, oder redete mit seinem Hund, dem Dalmatiner mit dem Goldkettchen, der, wie Gael nun erfuhr, Debbie hieß und dem er zeitweise mehr Aufmerksamkeit schenkte als der Frau unter ihm. Während an ihrem Arsch überhaupt kein Wechsel vollzogen wurde – ein Blick von Gold-Hakan genügte um potentiellen Arschfickinteressenten deutlich zu machen, dass er nicht daran dachte seine Stellung aufzugeben – drängelten sich vor ihrem Gesicht rund ein halbes Dutzend erregierter Schwänze, die alle nur eines wollten – ihren Mund deepthroaten.
Die Typen, die auch dort keinen Platz fanden oder ihr erschlafftes Gemächt erst einmal wieder auf Touren bringen mussten, standen links und rechts der jungen Frau und bearbeiteten ihr bestes Stück um gewappnet zu sein für den Fall, dass die Reihe an sie kam. Nur eine dieser Einweg 3D-Brillen, die es unten an der Kasse gab und die eigentlich dazu dienten während der Party auf einer Leinwand zum Takt der Elektrobeats projezierte Visuals verfolgen zu können, schützte die Augen der Frau vor den Spermastrahlen all der Kerle um sie herum. Diese waren so mit Penetrieren beschäftigt, dass sie den Bretonen Gael, der nun schon seit geraumer Zeit regungslos auf der Türschwelle stand und die skurille Szenerie beobachtete, nicht bemerkten. Nur Debbie fixierte ihn beharrlich mit ihren Blicken. Und da Gael es nicht darauf anlegen wollte, dass sie zu ihm herüberkam, oder noch schlimmer, anfing zu bellen, verließ er im Rückwärtsgang die Schwelle, schloss die Tür von Außen und begann wohl mehr aus Reflex als aus Gründen der Angst, das Treppenhaus hinabzurennen…
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