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Text & Interview: Janina Friedhoff ◊ janina@gleich-magazin.de

Tobias Vollmer
Tobias Vollmer ist ein netter, junger Mann. Nett, nicht im Sinne von 4+. Er ist einer von den Guten. Er ist Fotograf. Er wohnt in Köln. Köln hält ihn fest, sagt er. Hier, im großen Sympathieträger Rheinland, lebt er am liebsten, mit den dummen Gewohnheiten und den Freunden und der Liebe und der Arbeit. & die steht im Fokus.
„Fotografie ist Kommunikation“, erklärt er und beschreibt wie die Kamera schon früh seine sichere Reisebegleitung wurde. & eben auch die Legitimation blieb, Menschen anzusprechen, ihnen auf die Pelle zu rücken und Geschichten über sie zu erfahren. Was damit also zuerst da war, ob die Offenheit für Menschen oder die Kamera um den Tobiashals, nun ja, das bleibt nebensächlich.
Insbesondere das Portrait lässt auf ihn aufmerksam werden. Findet er selbst eins richtig gut, so lag das oft am regen Austausch zwischen dem Fotografierten und ihm. Sinn und Zweck des Redens & Redens sind hier, dass beide nachher die getroffene Pose für die Beste halten. Die Faktoren Raum-Licht-Zeit bilden das feste Gefüge seiner Jobs, auch wenn Magazine dieses locker spannen und ihn seine Ideen meist relativ frei umsetzen lassen. Da konnte er die Band Karpatenhund im Kölner Jugendpark für die Intro so inszenieren, wie er das für richtig hielt und genoss es.
Als Fotograf besitzt Tobias immer auch ein bisschen Macht über die Szenerie. Schritt für Schritt gilt es mit dieser, ausdrucksvolle Bildatmosphären zu schaffen. Wie das geht, das hat er an der Folkwang Hochschule in Essen gelernt. Das bleibt stets ein Geschick aus Handwerk und Kunst. & heute, mit fertigem Diplom, geschulten Augen und sehenswertem Studioraum im Gebäude 10, will er versuchen mit guten Dingen gutes Geld zu verdienen. & das klappt. Mal mehr, mal weniger. In der Fotografie läuft eben auch vieles über Kontakte und Tobias ist in Sachen Sammeln und Selbstvermarktung nicht der Aufdringlichste. Außerdem würde er nur für die Aufträge, die dann immer von selbst und ganz ohne Akquise ins Haus flattern, berühmt werden wollen. Weder wegen des Geldes, noch des Fames. Der Hörer glaubt ihm auch das.
Herrn Vollmers Werk entsteht. Bereits mit großen Augen bestaunt werden dürfen die Serien „Gleiche Jungs“ und die Fotografien zum 36-seitigen „E’de Love„-Booklet, einer Jubiläums-CD-Veröffentlichung von „E’de Cologne“ über Kompakt.
Interview
Man traf sich an einem Mittwochabend im Elektra. & da hat er von sich erzählen müssen, egal wie sehr er das eigentlich nicht mag…
Was ist Schönheit?
In der Fotografie?
Nein, ganz allgemein. Was bedeutet Schönheit für dich?
Es gibt ein schönes Essen. Eine schöne Landschaft. Einen schönen Menschen. Das sind unterschiedliche Dinge, die ich nicht unter den Begriff Schönheit fassen will. In der Fotografie gibt es diesen nicht. Ich würde ihn durch visuelle Stimmigkeit ersetzen. Auf einem Bild muss es immer mehr zu entdecken geben, insbesondere auf den zweiten Blick. Ich zitiere einen befreundeten Künstler, wenn ich sage, dass ein Bild dann Qualität besitzt, wenn es auf den Kopf gestellt werden kann, ohne dabei an seiner Stimmigkeit zu verlieren.
Gibt es tatsächlich fotogene und unfotogene Menschen?
Definitiv! Das erkennt man ziemlich schnell, insbesondere wenn ich zum Beispiel auf einer Party spontan fotografiere. Da merkt man, wenn bestimmte Posen schon mal geübt worden. Fotogen sein hat aber auch bedeutend viel mit Körpergefühl zu tun, einer Mischung aus bewussten Bewegungen und Stilsicherheit.
Von welchem Menschen gab es die beste Kritik?
Die besten oder wichtigsten Kritiken bekomme ich stets von Menschen, die ich selbst schätze. Das sind insbesondere natürlich meine Freunde. Stolz macht mich aber auch der Gewinn eines Wettbewerbes oder der Augenblick, in dem ich ein Foto von mir in einem Magazin sehe. Das ist wirklich ein großartiges Gefühl.
Besitzen deine Arbeiten ein für dich prägnantes Merkmal?
Nein, eigentlich nicht, denn was meine Arbeit ausmacht ist die Vielfalt. Ich würde meine Fotografie vielleicht als Junge Fotografie bezeichnen, aber auch nicht darauf reduzieren.
Du hast bekannte Kölner Techno Djs fotografiert. Was verbindet dich mit der Elektro-Szene und warum bietet sie dir dein perfektes Nachtleben?
In der Elektro-Szene findest du einfach die aktivsten Menschen. Ein gutes Nachtleben ist, wenn du in den Club kommst und die Stimmung ist bestens, alle Leute tanzen und du dann schließlich auch, weil du mitgerissen wirst und nicht anders kannst.
Deine Arbeit „Gleiche Jungs“ ist eine Serie von Portraits schwuler Männer. Warum das?
Die Serie ist auch meine Diplomarbeit, zu der es die Idee gab, dass sie erstens unbedingt etwas mit Köln zu tun haben muss und zweitens mit Menschen. So hat sich das ganze relativ schnell entwickelt. Ich nutzte die Fotografie auf Partys regelmäßig als Kommunikationsmittel und habe die Modelle so nach und nach kennen gelernt. Fotografiert habe ich sie bei ihnen zu Hause, in Räumen, in denen sich eine ganz andere Intimität entwickeln konnte als beispielsweise im Studio. Ich lud nicht ein, sondern blieb Gast.
Was fehlt Köln?
Köln fehlt definitiv architektonische Bewegung. Neben den neuen Hafengebäuden gibt es für mich kein prägnant architektonisches Geschehen. & Köln ruht sich da ein bisschen auf seinem wichtigsten Gebäude, dem Dom, aus. Köln fehlt Subkultur. Alternative Orte zu Odonien und den paar Bauwagenplätzen gibt es kaum. Da passiert in Hamburg und Berlin schon einiges mehr.
Tobias, verrat eines deiner Talente.
Mhhm, das ist meine Offenheit. Oder besser: meine offene, tolerante Weltsicht und meine Wahrnehmung für besondere Dinge. Für sich lohnende Blicke.
Foto: © by Tobias Vollmer
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